Zwischen Entwicklungsarbeit und kulturellen Perspektiven: Erfahrungen als weiße Frau in Tansania

Hi! Heute melde ich mich – Anna – mal aus einer ganz anderen Ecke der Welt – und zwar aus Tansania. Seit fast drei Monaten leite ich hier einen Freiwilligendienst in einer NGO im Bildungsbereich. Wir unterstützen Schulen mit Materialien und organisieren Schulungen für Lehrkräfte zu allen möglichen bildungsrelevanten Themen.
In diesem Artikel will ich euch aber nicht nur erzählen, was ich hier mache – sondern eher, wie es sich anfühlt, hier als weiße Frau unterwegs zu sein.
Ganz neu ist das für mich nämlich nicht. Ich habe schon in anderen Ländern in Subsahara-Afrika Zeit verbracht und ähnliche Erfahrungen gemacht. Trotzdem hatte ich vor meiner Abreise nach Tansania ein paar Fragen im Kopf:
- Wie werde ich hier als weiße Person wahrgenommen?
- Und wie sieht „internationale Zusammenarbeit“ eigentlich vor Ort aus?
Ich arbeite super gerne in diesem Bereich. Jedoch werde ich auch immer wieder mit den weniger schönen Seiten der Entwicklungszusammenarbeit konfrontiert. Weiße Menschen, die in Afrika „helfen“, während alte postkoloniale Narrative fröhlich weiterleben… nicht immer leicht auszuhalten. Und trotzdem halte ich diese Arbeit für wichtig – wenn sie gut gemacht ist – um nachhaltige Entwicklung zu fördern und echten interkulturellen Austausch möglich zu machen.
So viel zur großen politischen Ebene. Eigentlich will ich heute aber über etwas anderes sprechen – nämlich über meine ganz persönliche Erfahrung.
Ich war es aus Kenia schon gewohnt: Weiße Frauen stehen hier… sagen wir mal… hoch im Kurs. Ein entspannter Spaziergang am Strand? Vergiss es. Stattdessen wirst du gefragt, ob du jemanden heiraten willst, zusammen schwimmen gehen möchtest oder bekommst ein enthusiastisches „I love you!“ hinterhergerufen.
Ich nehme das meistens mit einem Schmunzeln – auch wenn mir klar ist, dass das für viele andere Frauen eher anstrengend bis übergriffig sein kann.
Und dann gibt’s noch diese kuriosen Strand-Szenen: Ältere Damen aus dem globalen Norden, Hand in Hand mit durchtrainierten Beachboys – irgendwie gleichzeitig amüsant und tragisch. Noch spannender wird’s aber, wenn sich das Bild umdreht: ältere (oft deutsche) Männer mit Bierbauch und sehr jungen tansanischen Frauen an ihrer Seite. Ob das für beide Seiten ein Win-Win ist? Aufmerksamkeit gegen finanzielle Sicherheit? Schwer zu sagen… und ehrlich gesagt auch nicht mein Job, das zu bewerten.
Auch im Arbeitsalltag merke ich ständig, wie unterschiedlich unsere Welten ticken:
- Ich gehe nicht in die Kirche → skeptische Blicke
- Ich esse kein Fleisch → noch skeptischere Blicke
- Ich bügle meine Kleidung nicht → kompletter Imageverlust 😄
Wenn ich dann mit Umweltargumenten für Vegetarismus komme oder davon spreche, dass innere Werte wichtiger sind als schicke Kleidung, ernte ich oft eher Verwirrung als Zustimmung. „Not smart“, wurde mir auch schon gesagt. Autsch.
Am Anfang hat mich das ehrlich gesagt ziemlich herausgefordert. Meine Geduld war… sagen wir mal…am limit. Mittlerweile hat sich das Ganze aber entspannt: Wir lachen gemeinsam über unsere gegenseitige Sturheit – und genau darin steckt irgendwie auch die Verbindung.
Ich frage mich trotzdem oft: Müssen diese zwei Welten überhaupt jemals auf derselben Wellenlänge sein?
Meine Antwort für mich bisher: wahrscheinlich nicht. Und vielleicht ist genau das auch okay – solange man lernt, vieles etwas leichter zu nehmen.
Zum Glück gibt es aber eine Wellenlänge, auf der hier wirklich alles zusammenkommt: Tanzen.
Als leidenschaftliche Tänzerin habe ich hier sofort Anschluss gefunden – und ganz ehrlich: Die Tanzszene hier ist einfach next level. So viel Rhythmusgefühl, so viel Musikalität, so viel Energie – ich bin jedes Mal komplett geflasht.
Am Ende bleibt für mich vor allem eins: Es geht nicht darum, immer alles zu verstehen oder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Viel wichtiger ist es, Unterschiede auszuhalten, drüber zu lachen und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Zwischen Kulturschocks, schrägen Momenten und ehrlichen Begegnungen passiert nämlich genau das, worum es eigentlich geht: echtes Lernen – über andere und ziemlich oft auch über sich selbst. Und manchmal reicht dafür schon ein guter Beat und eine Tanzfläche.
